Steuern hoch, Geldhahn zu

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Wenn ein Land sparen muss, trifft das zuerst die Kultureinrichtungen und Künstler. Spanien kürzte die staatliche Förderung drastisch und erhöhte zugleich die Steuern. Crowdfunding könnte ein Ausweg für die gebeutelte Branche sein.

Von Eva Limmer

Galeristen in Spanien haben ein Problem. Im vergangenen Jahr sind die Werke ihrer Künstler deutlich teurer geworden – praktisch über Nacht. Kunden müssen für den Erwerb von Kunst fast ein Sechstel mehr einplanen. Auch der Preis von Konzert- und Kinokarten ist gestiegen. Ursache ist die Finanzkrise im Land.

Der Kunst- und Kultursektor leidet unter der enormen Erhöhung der IVA, der spanischen Mehrwertsteuer. Seit 2012 erhebt die Regierung 21 Prozent auf Kulturgüter. Davor waren es acht Prozent. Spanien hat jetzt die höchste Steuer in diesem Bereich – verglichen mit den anderen  Euroländern.

Seitdem rechnen die Menschen in Spanien genauer nach, ob sie sich Museumsbesuche oder Kunstwerke noch leisten können. Der staatliche Künstlerverband Faeteda warnt, Kinos oder Galerien müssten schließen. Arbeitsplätze sind bedroht. Im spanischen Kultursektor arbeiten laut Faeteda etwa 500.000 Menschen.

Doch nicht nur die hohe Mehrwertsteuer bedroht den Kulturbetrieb in Spanien. Die Tageszeitung El Pais hat die Haushaltszahlen der Regierung recherchiert: 2013 kürzt sie die Kulturbudgets um etwa 30 Prozent. Die zwei bedeutendsten spanischen Museen, El Museo de Prado und Reina Sofia müssen mit bis zu einem Drittel weniger auskommen, ebenso das Teatro Real. Laut El Pais schrumpfen die staatlichen Zuschüsse für Musik und Tanz im Schnitt um 23,7 Prozent, die der Bibliotheken 22,2 Prozent. Theater erhalten 16,2 Prozent weniger.

Alternative: Geld per Internet

Die kleinen und mittleren Kunstprojekte trifft die Krise am Härtesten. Sie erhalten kaum noch öffentliche Mittel und suchen nach alternativen Finanzierungsquellen – etwa durch Crowdfunding. Das ist in Spanien besonders populär. Auf Internetplattformen wie Verkami.com oder Lanzanos.com  können Kreative ihre Projekte präsentieren. Sie veranschlagen eine Geldsumme, die sie für die Realisierung brauchen. Geldgeber können sich dann an einem Projekt ihrer Wahl beteiligen. Crowdfunding wird so zum modernen Mäzenatentum.

Laut Crowdsourcing.org, einer Website die die Entwicklung von Crowdfunding weltweit beobachtet, sind in Spanien derzeit zehn Prozent der weltweiten existenten Crowdfunding-Plattformen angesiedelt. Eine der führenden Geldsammlungs-Websites, Verkami, hat 2010 Jonás Sala mitgegründet. Der hohe Zulauf sei vor allem der Krise geschuldet, sagt Sala.

Interaktive Grafik zu Crowdfunding in Spanien

Interaktive Grafik zu Crowdfunding in Spanien

967 Projekte haben sich bis jetzt erfolgreich über Verkami finanziert. Für Künstler wird das öffentliche Geldsammeln immer wichtiger. Denn es macht sie von Sponsoren oder öffentlichen Geldern unabhängig.

Auch Hector Muñoz ist optimistisch, dass Crowdfunding eine echte Alternative für Künstler wird. Er ist Chef von Crowdacy, einer privaten Organisation, die solche Plattformen analysiert. Doch Muñoz bezweifelt, dass der Crowdfunding-Boom auf Dauer anhalten wird. Ihn beunruhigt vor allem, dass in Krisenzeiten ein Überangebot an Plattformen entsteht. Laut Crowdacy gibt es in Spanien derzeit mehr als 60 solcher Websites. Nur fünf davon könnten sich bisher selbst finanzieren.